Kids

Vor ein paar Wochen habe ich in der ZEIT einen Artikel über Kinder-Marketing gelesen. Der Artikel bzw. dessen Inhalt hat mich entsetzt.

Beim Kinder-Marketing geht es um Kinder als Konsumenten. Zwar sind per Jugendmedienschutz-Staatsvertrag direkte Kaufapelle an Kinder verboten und die Lebensmittelindustrie hat sich selbst verpflichtet keine Werbung für „unausgewogene Produkte“ an Kinder unter 12 Jahre zu richten aber dies alles wird aus Gier geflissentlich ignoriert.

Bei den rund 2,9 Milliarden Euro die heute den 6 – 13-jährigen Kinder an Taschengeld zur Verfügung stehen ist Kindermarketing ein lukratives Geschäft geworden. Die deutschen Süßwarenhersteller investieren pro Jahr knapp 0,75 Milliarden Euro in Werbung und sind damit der drittgrößte Werbetreibende. Das Ergebnis: 50% mehr übergewichtige Kinder als noch in den neunziger Jahren. 15% der 3 – 17-jährigen sind zu dick! Krankhaft vergrößerte Leber, deformierte Skelette und eine beängstigende Zunahme von Diabetes. Die Gesundheit der nächsten Generation wird der Gier geopfert.

Kindermarketing analysiert die Wahrnehmung und welche Wirkung Farben, Verpackungen und Markierungen auf Kinder haben. Was die Fachleute freut, ist dass Kinder ihre Umwelt undifferenzierter wahrnehmen und impulsiver auf Außenreize reagieren. Ein Besuch im Supermarkt ist für sie eine Reizüberflutung. Heute wachsen Kinder mit Marken auf. Mit Marken die speziell für Kinder entwickelt werden. War es früher grad mal Nutella und Cornflakes, so buhlen heute eine Vielzahl von Marken um die Gunst der Kinder. Bereits Grundschulkinder können zwei Drittel der Markenlogos identifizieren. Ab 3 Jahren erfassen Kinder Markenlogo, Markenname und die jeweilige Produktkategorie. Dank Charaktere wie Toni Tiger, Pom-Bär und dem Kandoo Frosch verankert sich die Marke im Gehirn der Kinder. Sie reagieren besonders auf Zeichentrick- und Animationsfiguren. Damit wird dank des Charminbärs selbst Toilettenpapier für Kinder interessant.

Sicher, Marketing zielt immer auch auf die Verkaufsförderung ab aber ein völliges über Bord schmeißen sämtlicher ethischer Grundsätze halte ich für verwerflich. Ich halte es da mit Kotler/Bliemel: „Das Leitbild für das Marketing ist ein Austausch in freier Wahl bei fairen Bedingungen unter geschäftsfähigen Partnern zum Wertgewinn beider.“ Kinder sind weder geschäftsfähige Partner noch haben sie die freie Wahl und von einem Wertgewinn kann nun wirklich nicht dir Rede sein!

Was meinen Sie? Ist im Marketing alles erlaubt um den Umsatz zu steigern?


Beitrag kommentieren