Interview

Was sind die 3 wichtigsten Stationen in Ihrem Leben?
Die erste wichtige Station, war der Schritt in meine persönliche Selbständigkeit. Ich habe früh die Verantwortung für mich und mein Leben übernommen. Das ich meine “Sterne neu geordnet habe” gibt mir heute noch Kraft und Selbstvertrauen.

Ein ähnlich bedeutender Schritt war der in die berufliche Selbstständigkeit, als ich 1993 ein Studio für Fotodesign in München gründete. Nach dem Studium und vor allem nach der langen Zeit mit den doch sehr begrenzten finanziellen Mitteln, war es eine Wohltat Geld zu verdienen und endlich meine eigener Herr zu sein. Nach jahrelanger wissenschaftlich- analytischer Tätigkeit war das Ausleben meiner kreativen, künstlerischen Seite auch für meine persönliche Entwicklung sehr wichtig. Ich denke, Kopf und Bauch sollten sich die Balance halten.

Eine dritte wichtige Station war 1999 die Gründung einer eigenen Werbeagentur in Hamburg. Mir gelang es, so aufregende Kunden wie Axel Springer oder Gruner + Jahr zu gewinnen und wir haben einige wirklich tolle Kampagnen gemacht. Es war eine sehr inspirierende und aufregende Zeit. Mit der Rezension in 2003 verloren wir mehrere Kunden durch Insolvenz und viele Werbeausgaben wurden eingefroren. Das war für mich der richtige Zeitpunkt um einen externen Berater hinzuzuziehen. Die Zusammenarbeit hat mir neue Perspektiven eröffnet und meine Unternehmensführung nachhaltig beeinflusst. Trotz guter Perspektiven habe ich mich dann 2004 aus dem klassischen Agenturgeschäft zurückgezogen.

Was ist Ihnen in der Arbeit besonders wichtig? Was zeichnet Ihre Arbeit aus?
Veränderungen im Denken und Handeln zu erreichen um damit neue Perspektiven zu eröffnen. Ein Unternehmen durch meine Beratung in den Flow zu bringen, sodass es authentisch am Markt auftritt und erfolgreicher wird. Dabei setze ich dynamische Strategien ein, die kontinuierlich an die veränderten Marktbedingungen angepasst werden. Mein Hauptaugenmerk gilt bei jedem Unternehmen der Identifikation der 3 wichtigsten Hebel um das Marketing und damit das Unternehmen in den Flow zu bringen.

Warum machen Sie Marketingberatung?
Meine Zeit in Werbeagenturen hat mich gelehrt, wie wichtig strategische Planung ist. Leider wird viel Geld in die Werbung gesteckt ohne sich vorher Gedanken über das Produkt, den Zielmarkt und die Zielgruppen zu machen, dadurch wird viel Geld verbrannt. Gerade klein- und mittelständische Unternehmen können sich das aber nicht leisten. Das muss aber nicht sein, strategische Marketing ist auch für KMU’s leistbar. Hier gilt: Wer seine Ziele nicht kennt, kann den Weg dorthin nicht finden.

Was ist Ihre größte Stärke in der Arbeit mit Kunden?
Als Außenstehende erfasse sehr schnell wo die eigentlichen Probleme beim Klienten sind. Durch meine analytisch methodische Arbeitsweise bringe ich Klarheit und neue Perspektiven in das Unternehmen, dass hilft mir dabei, die verschiedenen Interessengruppen innerhalb eines Unternehmens auf die gemeinsamen Ziele einzuschwören.

Ihre größte Niederlage bisher?
Mein Ausstieg aus dem Agenturgeschäft. Ich bin damals irgendwie nicht mehr weiter gekommen. Es hat an positiven Herausforderungen gefehlt. Es ist immer schmerzhaft ein Unternehmen, dass man aufgebaut hat, wieder abzugeben. Andererseits war das meine große Chance zu einer Schwerpunktverschiebung.

Der größte Erfolg, den Sie für und mit Kunden erreicht haben?
Bisher haben alle meine Kunden innerhalb des gesetzten Zeitrahmens ihre Ziele realisieren können. Das macht mich natürlich sehr stolz und glücklich.

Einen besonders schönen Erfolg hatte ich bei einem Weingut, dass in Deutschland massive Umsatzeinbrüche verzeichnete und bereits erste Schritte zum Aufbau des Exportgeschäfts nach Osteuropa unternommen hatte. Meine Analysen haben recht schnell gezeigt, dass der Export dem Unternehmen das Genick gebrochen hätte. Wir konnten das Unternehmen erfolgreich positionieren und haben auf Qualität und Leistung gesetzt. Die gesteckten Umsatzziele wurden erreicht und heute expandiert das Familienunternehmen innerhalb seiner Region. Es ist wirklich sehr befriedigend, wenn man ein Unternehmen so begleiten kann und man sieht, wie die Strategie nach einiger Zeit greift und Früchte trägt.

Der größte Misserfolg in einem Beratungsprojekt?
Das Coaching einer befreundeten Rechtsanwältin. Ich hatte hier die emotionale Ebene unterschätzt. Das Coaching bei einem Ein-Mann-Unternehmen ist deutlich schwieriger, da jede Problemanalyse schnell als Kritik an der Person des Inhabers verstanden wird.

Was sind Ihre Leitwerte?
Respekt, Vertrauen, Ehrlichkeit und eine offene Kommunikation, kurz Achtsamkeit. Nachhaltigkeit und ein gewisses Umwelt- u. Gesundheitsbewusstsein. Gut ist ein Geschäft nur, wenn beide Seiten davon profitieren. Fehler sind dazu da um aus ihnen zu lernen und Probleme um gelöst zu werden. Ich liebe meine Arbeit, trotzdem oder gerade deshalb ist mir eine gesunde Work-Life-Balance wichtig.

Wo sehen Sie das größte Entwicklungspotenzial für Kunden in Ihrem Fachbereich?
Ganz klar im Bereich des Marketing-Controlling. Bei meinen Klienten handelt es sich ja hauptsächlich um klein- und mittelständische Unternehmen, da sind die marketingrelevanten Kennzahlen meist nicht vorhanden, d.h. vorhanden sind sie schon, aber nicht auf Knopfdruck abrufbar. Hier fehlt es einfach oft an klaren Zielvorgaben und natürlich auch an Zeit- und Personalressourcen. Wenn die Ziele aber nicht klar definiert sind und die Maßnahmen zur Zielerreichung nicht regelmäßig kontrolliert werden, kann man die Ziele auch nicht oder nur zufällig erreichen.

Das Interview führte Ulrike Uertel von der Messe-Event-Schmiede Berlin.



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